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Fasten-Begriffe erklärt

Von Thomas Freimoser, Zertifizierter ganzheitlicher Ernährungsberater · Zuletzt geprüft am

Kurz gesagt

Die wichtigsten Begriffe in einem Satz: Wasserfasten heißt nur Wasser, Heilfasten erlaubt 250 bis 500 Kilokalorien, Intervallfasten verschiebt nur die Essenszeiten. Ketose ist der normale Fastenstoffwechsel und darf nicht mit der gefährlichen Ketoazidose verwechselt werden. Das Refeeding-Syndrom entsteht beim zu schnellen Wiederessen und ist das größte Risiko der ganzen Fastenkur.

Wozu diese Seite

Im Fastenumfeld werden Begriffe durcheinandergeworfen, und bei zweien davon ist das gefährlich. Ketose und Ketoazidose klingen ähnlich und bezeichnen einen normalen Zustand und einen Notfall. Wasserfasten und Heilfasten werden synonym verwendet, obwohl sie unterschiedlich streng, unterschiedlich verträglich und unterschiedlich gut untersucht sind.

Diese Seite definiert die fünfundzwanzig Begriffe, die beim Wasserfasten immer wieder auftauchen — jeweils in zwei bis drei Sätzen, mit der Verwechslung, auf die es ankommt.

Die drei Unterscheidungen, die zählen

Fastenform: Wasserfasten heisst null Kalorien. Heilfasten nach Buchinger erlaubt 250 bis 500 Kilokalorien. Intervallfasten verschiebt nur die Essenszeiten und ist als Dauergewohnheit gedacht.

Stoffwechsel: Ketose ist normal, Ketoazidose ist ein Notfall. Die verbreiteten Stundenangaben zur Autophagie stammen überwiegend aus Zell- und Tierversuchen.

Risiko: Die grösste Gefahr liegt nicht im Fasten, sondern im Wiederessen danach. Die häufigste akute Gefahr während des Fastens ist die Hyponatriämie durch viel Wasser ohne Salz.

Begriffe in diesem Text

Wasserfasten
Vollständiger Verzicht auf Nahrung über einen festgelegten Zeitraum, es wird ausschliesslich Wasser getrunken. In der Praxis meist ergänzt um ungesüssten Kräutertee und gesalzene Gemüsebrühe, weil der Natriumverlust sonst zum Problem wird.
Heilfasten
Fastenform mit kleiner Kalorienzufuhr, klassisch nach Buchinger etwa 250 bis 500 Kilokalorien täglich aus Saft, Gemüsebrühe und Honig. Verträglicher als Wasserfasten und für längere Zeiträume deutlich besser untersucht.
Intervallfasten
Essrhythmus, der regelt, wann gegessen wird, nicht ob. Bekannte Varianten sind 16:8 und 5:2. Gedacht als Dauergewohnheit, nicht als Kur — eine tiefe Ketose entsteht dabei meist nicht.
Entlastungstag
Vorbereitungstag vor dem Fastenbeginn mit leichter Kost, reduziertem Koffein, ohne Zucker und Alkohol. Ein bis drei Tage, je nach geplanter Fastendauer. Vermeidet einen erheblichen Teil der Beschwerden an den ersten Fastentagen.
Fastenbrechen
Die erste Mahlzeit nach der Fastenzeit. Flüssig und klein: Gemüsebrühe, verdünnter Gemüsesaft, klassisch ein gedünsteter Apfel. Der riskanteste Moment einer Fastenkur, nicht das Fasten selbst.
Aufbautag
Tag der schrittweisen Rückkehr zu normalem Essen nach dem Fasten. Faustregel: etwa ein Aufbautag pro drei Fastentage, mindestens zwei, höchstens vierzehn.
Refeeding
Fachbegriff für den Wiederaufbau der Ernährung nach einer Fastenphase. Beschreibt denselben Vorgang wie die Aufbautage, wird aber meist im klinischen Zusammenhang verwendet.
Refeeding-Syndrom
Lebensbedrohliche Stoffwechselentgleisung durch zu schnelles Wiederessen nach längerem Fasten. Der Insulinanstieg verschiebt Phosphat, Kalium und Magnesium in die Zellen, im Blut fallen die Werte ab. Folgen reichen von Muskelschwäche und Wassereinlagerungen bis zu Herzrhythmusstörungen. Risiko ab etwa fünf Fastentagen relevant, ab zehn erheblich.
Ketose
Normaler Stoffwechselzustand beim Fasten. Ohne Kohlenhydrate bildet die Leber aus Fettsäuren Ketonkörper, die das Gehirn als Ersatzbrennstoff nutzt. Setzt meist 24 bis 72 Stunden nach der letzten Mahlzeit ein.
Ketonkörper
Beta-Hydroxybutyrat, Acetoacetat und Aceton. Sie entstehen beim Fettabbau in der Leber und können die Blut-Hirn-Schranke passieren. Aceton wird über die Atemluft abgegeben und verursacht den typischen Fastenmundgeruch.
Ketoazidose
NICHT mit der Ketose zu verwechseln. Eine lebensbedrohliche Übersäuerung des Blutes mit extrem hohen Ketonwerten, die bei Insulinmangel auftritt. Deshalb ist Typ-1-Diabetes ein Ausschlusskriterium für Fasten. SGLT2-Hemmer können eine Ketoazidose auch bei normalem Blutzucker auslösen.
Autophagie
Zelluläres Recyclingprogramm, das beschädigte Zellbestandteile abbaut und wiederverwertet. Läuft ständig und wird bei Nährstoffmangel verstärkt. Die verbreiteten Stundenangaben stammen aus Zell- und Tierversuchen; beim Menschen ist die Datenlage dünn.
Glykogen
Speicherform von Kohlenhydraten in Leber und Muskulatur, etwa 400 bis 500 Gramm. Jedes Gramm bindet rund drei Gramm Wasser — deshalb verschwinden in den ersten Fastentagen ein bis zwei Kilogramm Körpergewicht, die nichts mit Fett zu tun haben.
Elektrolyte
Mineralstoffe im Blut, die elektrische Ladung tragen — vor allem Natrium, Kalium, Magnesium, Calcium und Phosphat. Ihr Gleichgewicht verschiebt sich beim Fasten und ist die häufigste Ursache ernster Zwischenfälle.
Hyponatriämie
Gefährlich niedriger Natriumspiegel im Blut, meist durch viel reines Wasser bei gleichzeitigem Natriumverlust. Die häufigste akute Gefahr beim Wasserfasten. Frühzeichen sind Kopfschmerz und Übelkeit, späte Zeichen Verwirrtheit und Krampfanfall.
Natrium
Der Mineralstoff, der beim Fasten aktiv zugeführt werden muss. Ein Gramm Natrium entspricht 2,54 Gramm Kochsalz. Beim Fasten scheidet die Niere Natrium aus, weil der Insulinreiz wegfällt.
Glaubersalz
Natriumsulfat, in deutschen Apotheken als Decahydrat verkauft. Salinisches Abführmittel, klassisch zur Darmentleerung am ersten Fastentag. Arzneimittel, kein Lebensmittel — mit zahlreichen Gegenanzeigen.
Bittersalz
Magnesiumsulfat. Wirkt ähnlich abführend wie Glaubersalz, liefert aber Magnesium statt Natrium. Bei Nierenerkrankung problematischer, weil sich Magnesium anreichern kann.
Jojo-Effekt
Rückkehr des Gewichts nach einer Abnehmphase, oft über den Ausgangswert hinaus. Keine Willensfrage: Nach Gewichtsverlust sinkt der Energiebedarf messbar, gleichzeitig steigt Ghrelin und sinkt Leptin — noch ein Jahr später nachweisbar.
Grundumsatz
Energieverbrauch in völliger Ruhe. Sinkt nach Gewichtsverlust stärker, als es das geringere Körpergewicht allein erklären würde. Muskulatur ist das einzige Gewebe, das ihn dauerhaft wieder anhebt.
Ghrelin und Leptin
Die beiden wichtigsten Hormone der Hungerregulation. Ghrelin macht Hunger, Leptin macht satt. Nach Gewichtsverlust ist Ghrelin erhöht und Leptin gesenkt — der hormonelle Kern des Jojo-Effekts.
Fastenkrise
Umgangssprachlich für die Häufung von Beschwerden an den ersten Fastentagen: Kopfschmerz, Reizbarkeit, Frieren, Schwäche. Meist eine Mischung aus Koffeinentzug, Flüssigkeits- und Natriummangel — und damit weitgehend vermeidbar.
Trockenfasten
Verzicht auf Nahrung UND Flüssigkeit. Deutlich riskanter als Wasserfasten, weil Dehydratation und Elektrolytentgleisung schnell eintreten. Wird auf dieser Seite nicht empfohlen.
Saftfasten
Fastenform mit Obst- und Gemüsesäften. Liefert Kohlenhydrate und verhindert dadurch eine tiefe Ketose. Der Zuckergehalt mancher Säfte ist erheblich.
Basenfasten
Ernährungsform, bei der für eine begrenzte Zeit nur sogenannte basenbildende Lebensmittel gegessen werden. Kein Fasten im engeren Sinn, weil gegessen wird.

Häufige Fragen

Was ist der Unterschied zwischen Ketose und Ketoazidose?

Ketose ist ein normaler, regulierter Stoffwechselzustand mit moderaten Ketonwerten — sie gehört zum Fasten dazu. Die Ketoazidose ist eine lebensbedrohliche Entgleisung mit extrem hohen Werten und Übersäuerung des Blutes, die bei Insulinmangel auftritt. Die Verwechslung ist der Grund, warum manche Menschen Fasten für gefährlicher halten, als es für gesunde Erwachsene ist — und gleichzeitig der Grund, warum es bei Typ-1-Diabetes tatsächlich gefährlich ist.

Ist Wasserfasten dasselbe wie Heilfasten?

Nein. Beim Heilfasten nach Buchinger sind täglich etwa 250 bis 500 Kilokalorien aus Saft und Brühe vorgesehen, beim Wasserfasten null. Buchinger ist dadurch verträglicher und für längere Zeiträume besser untersucht.

Was ist der wichtigste Begriff auf dieser Liste?

Refeeding-Syndrom. Es beschreibt das grösste Risiko einer Fastenkur, und es tritt nicht beim Fasten auf, sondern beim Wiederessen danach. Wer nur einen Begriff kennt, sollte diesen kennen.

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Quellen

  1. Wilhelmi de Toledo F. et al. (2013): Fasting therapy — an expert panel update of the 2002 consensus guidelines.
  2. Cahill G. F. (2006): Fuel metabolism in starvation. Annual Review of Nutrition.
  3. Mehanna H. M. et al. (2008): Refeeding syndrome — what it is, and how to prevent and treat it. BMJ.
  4. Sterns R. H. (2015): Disorders of plasma sodium. New England Journal of Medicine.

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