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Elektrolyte beim Wasserfasten

Von Thomas Freimoser, Zertifizierter ganzheitlicher Ernährungsberater · Zuletzt geprüft am

Kurz gesagt

Beim Fasten verliert der Körper vor allem Natrium, dazu Kalium und Magnesium. Das erklärt Kopfschmerzen, Schwindel, Schwäche und nächtliche Muskelkrämpfe. Eine Tasse gesalzene Gemüsebrühe pro Tag deckt den Natriumbedarf in der Regel ab. Sehr viel reines Wasser ohne Salz kann den Natriumspiegel gefährlich verdünnen — mehr trinken ist deshalb nicht automatisch besser.

Der Mechanismus

Beim Fasten sinkt der Insulinspiegel. Insulin sorgt normalerweise dafür, dass die Nieren Natrium zurückhalten. Fällt Insulin weg, wird Natrium ausgeschieden — und Wasser folgt dem Natrium. Das ist der Grund, warum in den ersten Fastentagen so viel Gewicht von der Waage geht, und gleichzeitig der Grund für sinkenden Blutdruck, Schwindel und Kopfschmerzen.

Parallel verliert der Körper Kalium und Magnesium, weil die normale Zufuhr über die Nahrung wegfällt.

Die drei Elektrolyte

Natrium — der wichtigste

Was passiert bei Mangel: Kopfschmerzen, Schwäche, Schwindel, Übelkeit. Bei einer stärkeren Verdünnung (Hyponatriämie) kommen Verwirrtheit und im schweren Fall Krampfanfälle dazu.

Der gefährliche Denkfehler: „Mir ist schlecht, ich trinke mehr Wasser.“ Genau das verschlimmert eine Natriumverdünnung. Wer beim Fasten sehr viel reines Wasser trinkt, kann sich damit in Schwierigkeiten bringen.

Was du tust: eine Tasse gesalzene Gemüsebrühe pro Tag, bei längerem Fasten auch zwei. Eine Prise Salz ins Wasser geht ebenfalls.

Ausnahme: Bei behandeltem Bluthochdruck, Herzinsuffizienz oder Nierenerkrankung gilt das nicht pauschal — dort ist Salz Teil der Therapieplanung und gehört ins Arztgespräch.

Kalium

Was passiert bei Mangel: Muskelschwäche, Muskelkrämpfe, Herzrhythmusstörungen. Der letzte Punkt ist der Grund, warum Herzrasen beim Fasten immer ein rotes Zeichen ist.

Was du tust: Bei kurzem Fasten meist nichts Zusätzliches. Bei längerem Fasten gehört Kalium ins Arztgespräch — Präparate auf eigene Faust sind hier keine gute Idee, weil zu viel Kalium den Herzrhythmus ebenso gefährdet wie zu wenig.

Magnesium

Was passiert bei Mangel: nächtliche Wadenkrämpfe, Muskelzucken, Reizbarkeit, Schlafstörungen.

Was du tust: Wer zu Krämpfen neigt, kann Magnesium ergänzen — das ist die unproblematischste der drei Ergänzungen. Bei Nierenerkrankungen vorher abklären.

Wie viel du brauchst — konkret

Der Elektrolyte-Rechner rechnet aus Gewicht, Fastendauer und Bewegung eine Spannbreite für Natrium und Magnesium aus, in Gramm Salz und Teelöffeln statt in Millimol. Er gibt dir auch die Liste der Laborwerte mit, die vor einem längeren Fasten sinnvoll sind.

Für Kalium nennt er bewusst keine Dosis — warum, steht unten.

Woran du einen Mangel merkst

ZeichenVermutlich
Kopfschmerz, Schwäche, ÜbelkeitNatrium
Schwindel beim Aufstehen, niedriger BlutdruckNatrium und Volumen
Nächtliche WadenkrämpfeMagnesium
Muskelschwäche, HerzstolpernKalium — Fasten beenden, abklären lassen
Verwirrtheit, Sehstörung, KrampfanfallNatrium stark verdünnt — Notfall

Die vollständige Ampel steht unter Warnzeichen erkennen.

Und beim Wiederaufbau

Nach dem Fasten dreht sich die Richtung: Mit der ersten Mahlzeit steigt Insulin und schiebt Phosphat, Kalium und Magnesium schnell in die Zellen. Im Blut fallen diese Werte dann ab — das ist der Kern des Refeeding-Syndroms. Deshalb sind Elektrolyte nicht nur ein Thema für die Fastentage, sondern besonders für die ersten 72 Stunden danach.

Häufige Fragen

Ist Salz beim Wasserfasten nicht ein Bruch der Regel?

Formal ja, praktisch nein. Beim [Heilfasten nach Buchinger](/wissen/vergleich/buchinger) ist genau deshalb Gemüsebrühe fester Bestandteil des Protokolls — die kleine Kalorienmenge liefert vor allem Natrium und Kalium. Salz enthält keine Kalorien und unterbricht die [Ketose](/wissen/ketose-beim-wasserfasten) nicht. Was es unterbricht, ist die Kette aus Natriumverlust, Blutdruckabfall und Schwindel. Sicherheit geht hier vor Reinheitsgebot.

Brauche ich Elektrolyt-Präparate?

Bei kurzem Fasten von bis zu drei Tagen reicht gesalzene Brühe für die meisten Menschen. Bei längerem Fasten kann eine Ergänzung von Kalium und Magnesium sinnvoll sein — Dosierung und Notwendigkeit gehören dann ins Arztgespräch, weil zu viel Kalium ebenfalls gefährlich ist.

Wie viel Salz ist richtig?

Als Orientierung wird beim mehrtägigen Fasten häufig etwa ein bis zwei Gramm Natrium pro Tag genannt, also grob drei bis fünf Gramm Kochsalz — eine gesalzene Tasse Brühe kommt dem nahe. Bei Bluthochdruck, Herz- oder Nierenerkrankungen gilt das nicht ohne ärztliche Rücksprache.

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Quellen

  1. Sterns R. H. (2015): Disorders of plasma sodium. New England Journal of Medicine.
  2. Mehanna H. M. et al. (2008): Refeeding syndrome — what it is, and how to prevent and treat it. BMJ.
  3. Wilhelmi de Toledo F. et al. (2013): Fasting therapy — an expert panel update of the 2002 consensus guidelines.

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