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Fett oder Wasser? Was die Waage wirklich zeigt

Von Thomas Freimoser, Zertifizierter ganzheitlicher Ernährungsberater · Zuletzt geprüft am

Kurz gesagt

In den ersten Fastentagen ist der Grossteil des Gewichtsverlusts Wasser: jedes Gramm gespeichertes Glykogen bindet etwa drei Gramm Wasser, zusätzlich schwemmt der Körper Natrium und damit Wasser aus. Echter Fettabbau liegt bei etwa 200 bis 400 Gramm pro Tag. Nach dem Aufbau kommen ein bis zwei Kilogramm Wassergewicht zurück — das ist Physiologie und kein Rückfall.

Die Rechnung, die alles erklärt

Ein Kilogramm Körperfett enthält etwa 7.000 bis 7.700 Kilokalorien Energie. Ein erwachsener Mensch verbraucht ohne Nahrungsaufnahme grob 1.800 bis 2.500 Kilokalorien pro Tag. Teile das eine durch das andere, und du hast die Obergrenze für echten Fettabbau: rund 0,2 bis 0,4 Kilogramm pro Tag.

Diese Zahl ist nicht verhandelbar. Kein Fastenprotokoll, kein Tee und keine besondere Disziplin verschiebt sie nach oben. Wenn die Waage in drei Tagen vier Kilogramm weniger zeigt, sind höchstens 1,2 davon Fett.

Wo der Rest herkommt

Glykogen — der grösste Einzelposten

Leber und Muskulatur speichern zusammen 400 bis 500 Gramm Kohlenhydrate als Glykogen. Entscheidend ist: Glykogen ist nass. Jedes Gramm bindet etwa drei Gramm Wasser. Der Speicher wiegt also mit Wasser rund 1,5 bis 2 Kilogramm, und er ist nach etwa 24 bis 48 Stunden leer.

Das war schon 1992 der Punkt der Arbeit von Kreitzman und Kollegen mit dem passenden Titel: „Illusionen des einfachen Gewichtsverlusts“. Genau diese Illusion trägt jede Crash-Diät.

Natrium und Wasser

Sinkt das Insulin, hält die Niere weniger Natrium zurück. Natrium bindet Wasser, also geht auch Wasser. Das ist der Grund für den „entwässerten“ Eindruck beim Fasten — und gleichzeitig der Grund für Schwindel beim Aufstehen und für den sinkenden Blutdruck. Mehr dazu unter Elektrolyte beim Fasten.

Darminhalt

Nach mehreren Tagen ohne Nahrung ist der Verdauungstrakt leer. Je nachdem, wie ballaststoffreich du vorher gegessen hast, sind das mehrere hundert Gramm bis über ein Kilogramm.

Was nach dem Fasten zurückkommt

In der ersten Aufbauwoche füllt sich der Glykogenspeicher wieder, das Wasser kommt mit. Auch der Natriumhaushalt normalisiert sich. Rechne mit einem bis zweieinhalb Kilogramm auf der Waage — je nachdem, wie lange du gefastet hast.

Das ist der Moment, an dem viele Menschen aufgeben. Sie haben in einer Woche fünf Kilogramm verloren, zwei sind zurück, und daraus wird im Kopf „es funktioniert nicht“. Dabei ist genau das Gegenteil passiert: Das Fett ist noch weg, das Wasser ist wieder da, und die Bilanz ist besser als sie aussieht.

Wer das vorher weiss, hält durch. Wer es nicht weiss, hört auf. Das ist der ganze Grund, warum diese Seite existiert.

Wie du sinnvoll messen kannst

  • Wochendurchschnitt statt Tageswert. Wieg dich am gleichen Wochentag, zur gleichen Zeit, nach dem Aufstehen. Vergleiche Wochen, nicht Tage.
  • Bauchumfang auf Nabelhöhe, einmal pro Monat. Reagiert langsamer, dafür fast nur auf Fett.
  • Wie Kleidung sitzt. Unpräzise, aber ehrlich.
  • Fotos in gleicher Haltung und gleichem Licht. Über Wochen erkennst du Veränderungen, die die Waage nicht zeigt — deshalb hat die App eine Fotofunktion mit Ausrichtungshilfe, und deshalb bleiben diese Fotos ausschliesslich auf deinem Gerät.

Was ich nicht empfehle: Körperfettwaagen für den Hausgebrauch während des Fastens. Sie schätzen über den elektrischen Widerstand und der hängt am Wasserhaushalt — genau der Grösse, die sich beim Fasten am stärksten verändert.

Die eigentliche Frage

Nicht „wie viel geht runter“, sondern „wie viel bleibt unten“. Und das entscheidet sich nicht in den Fastentagen, sondern in den drei Monaten danach: Ernährungsumstellung nach dem Fasten.

Häufige Fragen

Nach dem Fasten habe ich in drei Tagen zwei Kilo zugenommen. Ist alles umsonst?

Nein. Zwei Kilogramm Fett in drei Tagen sind physikalisch nicht möglich — dafür bräuchtest du ein Überschuss von rund 15.000 Kilokalorien. Was zurückgekommen ist, ist Wasser mit dem wieder aufgefüllten Glykogenspeicher und Darminhalt. Der Fettverlust bleibt.

Wie messe ich, ob ich Fett verliere?

Nicht über die Tageswaage. Nützlich sind: derselbe Wochentag zur selben Zeit wiegen und den Wochendurchschnitt vergleichen, dazu der Bauchumfang und wie Kleidung sitzt. Körperfettwaagen für den Hausgebrauch schwanken stark mit dem Wasserhaushalt und sind gerade beim Fasten unzuverlässig.

Kann ich den Wasserverlust vermeiden?

Nein, und du solltest es nicht wollen. Der Glykogenabbau ist der Schritt, mit dem die Fettverbrennung überhaupt beginnt. Was du beeinflussen kannst, ist der Salzhaushalt — genug Natrium über die Brühe verhindert Kreislaufprobleme.

In Vorbereitung

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Quellen

  1. Kreitzman S. N. et al. (1992): Glycogen storage — illusions of easy weight loss. American Journal of Clinical Nutrition.
  2. Hall K. D. et al. (2011): Quantification of the effect of energy imbalance on bodyweight. The Lancet.
  3. Cahill G. F. (2006): Fuel metabolism in starvation. Annual Review of Nutrition.

Fehlt eine Quelle oder ist etwas veraltet? Schreib mir — ich korrigiere das und schreibe dazu, was sich geändert hat.