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Fastenbrechen — was du zuerst isst

Von Thomas Freimoser, Zertifizierter ganzheitlicher Ernährungsberater · Zuletzt geprüft am

Kurz gesagt

Beginne flüssig und klein: gesalzene Gemüsebrühe, verdünnter Gemüsesaft, klassisch ein gedünsteter Apfel — vier bis sechs Portionen von 150 bis 250 Millilitern über den Tag. Am zweiten Tag weiches gedünstetes Gemüse, Kartoffeln und Reisschleim. Kein Zucker, kein Fett in Menge, keine Milchprodukte, keine Hülsenfrüchte und kein Kohl in den ersten Tagen. Je länger du gefastet hast, desto kleiner und langsamer der Einstieg.

Der Moment, der über alles entscheidet

Das Fastenbrechen ist die riskanteste und gleichzeitig am schlechtesten vorbereitete Phase einer Fastenkur. Riskant, weil ein zu schneller Wiedereinstieg nach längerem Fasten ein Refeeding-Syndrom auslösen kann. Schlecht vorbereitet, weil die meisten Menschen erst am letzten Fastentag darüber nachdenken — an dem Tag, an dem der Appetit gerade zurückkommt.

Deshalb: Plane das Fastenbrechen, bevor du anfängst. Der Refeeding-Planer erstellt den vollständigen Plan für deine Dauer in wenigen Sekunden.

Tag 1: flüssig

  • Gesalzene Gemüsebrühe — das Salz ist hier Wirkstoff, nicht Geschmack
  • Verdünnter Gemüsesaft: ein Teil Saft, zwei Teile Wasser
  • Ein gedünsteter Apfel, klassisch und gut verträglich
  • Kräutertee und Wasser wie bisher

Menge: 150 bis 250 Milliliter pro Portion, vier bis sechs Portionen über den Tag.

Nicht: Zucker, Fett, Milchprodukte, Kaffee, Alkohol, alles Feste in grösseren Mengen.

Und der wichtigste Punkt, der in keiner Liste steht: sehr langsam essen und jeden Bissen kauen. Der Darm hat pausiert. Er braucht ein Signal, keine Ladung.

Tag 2: weich und gedünstet

Gedünstete Karotte, Zucchini, Fenchel, Kürbis. Kartoffel ohne Fett. Dünner Reis- oder Haferschleim. Weiter Brühe und Tee.

Menge: 150 bis 250 Gramm pro Mahlzeit, drei Mahlzeiten plus eine bis zwei Brühen.

Noch nicht: Rohkost, Hülsenfrüchte, Kohl, Zwiebeln, Vollkorn, Fleisch, Zucker. Diese Gruppe ist in den ersten Tagen die häufigste Ursache für Blähungen und Bauchschmerzen.

Tag 3 und danach

Jetzt kommen erste fermentierte Lebensmittel dazu — Naturjoghurt, Kefir, ein Schluck Sauerkrautsaft — sie helfen der Darmflora beim Wiederanlaufen. Dazu ein Teelöffel gutes Öl pro Mahlzeit und weich gekochte Haferflocken.

Eiweiss folgt ab etwa Tag drei bis vier in kleinen Mengen: weich gekochtes Ei, Magerquark, gut gekochte Linsen, gedünsteter Fisch. Das ist wichtig für den Muskelschutz, siehe Muskelverlust vermeiden — aber nicht am ersten Tag und nicht in Menge.

Wie lange dieser Aufbau dauert, hängt an der Fastendauer: etwa ein Aufbautag pro drei Fastentage, mindestens zwei, höchstens vierzehn. Der vollständige Verlauf mit Mengen und typischen Fehlern steht unter Aufbautage.

Die fünf häufigsten Fehler

  1. Zu viel Kohlenhydrat zu früh. Der Insulinanstieg ist der Auslöser des Refeeding-Syndroms. Ein Teller Nudeln am ersten Tag ist die schlechteste Idee der ganzen Fastenkur.
  2. Die Belohnungsmahlzeit. Nach fünf Tagen Fasten ein Restaurantbesuch — der Klassiker, meist mit unangenehmen Folgen und im schlechten Fall mit gefährlichen.
  3. Zu schnell essen. Sättigung kommt verzögert. Wer schnell isst, isst zu viel, bevor er es merkt.
  4. Keine Elektrolyte. Natrium über die Brühe, bei längerem Fasten Kalium und Magnesium nach ärztlicher Rücksprache.
  5. Den Aufbau nach der geplanten statt der tatsächlichen Dauer richten. Wer nach acht von zwanzig Tagen abbricht, braucht den Aufbau für acht Tage.

Wann du nicht allein aufbauen solltest

Ab etwa zehn Fastentagen gehört der Aufbau ärztlich begleitet, mit Kontrolle von Phosphat, Kalium, Magnesium und Natrium. Das Gleiche gilt bei Vorerkrankungen, Untergewicht oder Medikamenteneinnahme. Der Refeeding-Planer gibt in diesen Fällen bewusst keine Mengen aus, sondern nur die Stufenfolge als Gesprächsgrundlage für die Praxis.

Und danach?

Nach den Aufbautagen ist die Kur zu Ende — und der Teil, der über das Ergebnis entscheidet, fängt an. Die letzte Aufbaustufe ist bereits der erste Tag der Umstellung: Ernährungsumstellung nach dem Fasten.

Häufige Fragen

Warum ausgerechnet ein Apfel?

Der gedünstete Apfel ist Tradition aus dem [Buchinger-Heilfasten](/wissen/vergleich/buchinger) und praktisch sinnvoll: gekocht ist er leicht verdaulich, liefert Kalium und etwas Pektin, und die Menge ist klein. Ein roher Apfel wäre schwerer verträglich. Zwingend ist er nicht — Brühe und verdünnter Saft erfüllen den Zweck ebenso.

Wie viel darf ich am ersten Tag essen?

Deutlich weniger, als du willst. Vier bis sechs kleine Portionen von 150 bis 250 Millilitern beziehungsweise Gramm sind der Rahmen. Nach längerem Fasten eher weniger und langsamer.

Ich habe Bauchschmerzen nach der ersten Mahlzeit. Normal?

Leichte Bauchschmerzen, Blähungen und Völlegefühl kommen vor, weil die Verdauung wieder anlaufen muss. Starke Schmerzen, Erbrechen, Herzrasen, Wassereinlagerungen oder Muskelschwäche sind es nicht — dann Essen stoppen und ärztlich abklären.

Quellen

  1. Mehanna H. M. et al. (2008): Refeeding syndrome — what it is, and how to prevent and treat it. BMJ.
  2. Wilhelmi de Toledo F. et al. (2013): Fasting therapy — an expert panel update of the 2002 consensus guidelines.
  3. NICE Guideline CG32: Nutrition support for adults.

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